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Offenburger Tageblatt, Mittelbadische Presse, 11.10.2006

Zärtliche Annäherung an den Menschen
José F. A. Oliver stellte Gedichtband »unterschlupf« vor / Auf der Frankfurter Buchmesse 25-mal geklaut

Buchpremiere feierte der Hausacher Lyriker José F. A. Oliver mit der Vorstellung seines vierten beim renommierten Suhrkamp-Verlag erschienenen Lyrikbandes »unterschlupf«.
Von: Andreas Buchta, Hausach.

Viele waren am Montagabend in die Buchhandlung Streit gekommen zur Buchpremiere des Hausacher Lyrikers José F. A. Oliver: Prominente, Fachleute, Kollegen, Freunde oder einfach an Olivers Lyrik Interessierte. Begleitet wurde die Buchpräsentation von einem Duo mit Andreas Krennerich (Saxofone) und Gerd Vierkötter (Schlagzeug).»Etwas aufgeregt« zeigte sich Joachim Sartorius, Intendant der Berliner Festspiele, Freund und Dichterkollege Olivers; aufgeregt, in der Heimat des Dichters über dessen neues Buch zu sprechen. »Denn das Buch kommt erst heute richtig zur Welt!« Es sei eines der wichtigen Bücher auf der Frankfurter Buchmesse gewesen: »Es ist dort 25-mal geklaut worden – ein Merkmal seiner Wichtigkeit!« Sartorius sprach von der »Menschensehnsucht« des Dichters, die sich in der Verwurzelung in seiner Schwarzwaldheimat zeige und von der »Weltsehnsucht« bei seinen Reisen »an die Grenzen der Welt«: »Zärtliche Annäherung an den Menschen besitzt er in hohem Maße«, sagte Sartorius. Er habe bei der Reise hierher nach Hausach die »Verortung« Olivers erst richtig verstanden. Große Kunst nämlich verbinde Heimat subjektiv mit allgemeiner, weltläufiger Erfahrung. Das Buch »unterschlupf« schärfe die Sinne. Der Autor, dessen »unglaubliche Bühnenpräsenz« man erlebt haben müsse, sehe und höre genau hin, um Sprache in ihren verschütteten (und in neuen) Bedeutungen wieder sichtbar zu machen. Von seinen »äußeren und inneren Reisen« habe Oliver reiche lyrische Beute mitgebracht.José F. A. Oliver las und erzählte aus verschiedenen Büchern, immer wieder abgelöst von Andreas Krennerichs Saxofon und Gerd Vierkötters Schlagzeug, kurze Sequenzen einer leisen, »lyrischen« Musik, wie geschaffen für genau diesen Autor. Denn dessen eindringliche, tiefgehende Stimme verlangte geradezu nach dieser Musik. Oliver sprach vom »Worttrieb im Zettelkasten«, mit dem er den Wörtern nachspürt, von Gedichten, die im Haus des »seelenverwandten«, verstorbenen Dichters Konstantin Kavafis in Alexandria entstanden, von »verschütteter Helle«. Wiegenlied für LorcaEin in unerhörtem Stakkato vorgetragenes andalusisches Wiegenlied, Garcia Lorca gewidmet, ging unvermittelt über in ein gesungenes Lied, wo seine schöne Stimme noch mehr zum Tragen kam als bei den Wortvorträgen. Von Kairo erzählte der Dichter und von Casablanca und der »Handelsmetropole Gehsteig«, wo er »schreibspur ganz« ist und »der sich an die Rücken heftet«. Von einer verzaubernden »Engelin« auf der Eisbahn erzählte der Dichter und von seiner »Komplizenschaft« mit Joachim Sartorius, dem er ein ganzes Gedicht widmete. Als Abschluss zitierte er mit warmer Stimme das letzte Gedicht aus seinem Buch »unterschlupf«, ein Gedicht über Don Quichotte.Sichtlich tief beeindruckt spendete das Publikum herzlichen Beifall; im Anschluss traf man sich bei einem Glas Wein zu vertiefenden Gesprächen

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