Schwarzwälder Bote, 11.10.2006
Ein "unterschlupf", der die Sinne schärft
Hausach. "Das Buch geht jetzt seine eigenen Wege", schließt José F. A. Oliver seine Lesung in der Buchhandlung Streit. "Ich bin gespannt, wo es mich hinführt."
Damit ist viel gesagt: "unterschlupf", sein vierter Gedichtband im Suhrkamp Verlag, ist ein Reisebuch - in innere und äußere Welten, wie es Joachim Sartorius, Lyriker und Intendant der Berliner Festspiele, in seiner Einführung beschreibt. Andalusien, Ägypten, Marokko, diese Orte tauchen auf und wären doch nichts ohne die Wurzeln in Hausach. So ist Oliver im besten Sinn "subjektiv radikal". Er dringt tief unter die Oberfläche ein.
Beispielsweise, wenn José Oliver von seinem Ägyptenaufenthalt spricht: "Ich fühlte mich in Kairo nicht einen Augenblick lang fremd", berichtet er, weil die Straßen ihn an das Andalusien der 60er-Jahre erinnerten - und so finden beide Orte zueinander und verdichten sich. "Hautklang im Hören" schreibt der Lyriker über seine Eindrücke, die für den so offensichtlich erscheinen, der wie Oliver zu beobachten vermag. Joachim Sartorius findet daher für den Buchtitel "unterschlupf" eine passende Deutung: Es sei ein "schützender Raum", ein Buch, "in dem wir unsere Sinne messen und Antennen schärfen können". Das Besondere und Verbindende in seinem Werk sei Olivers lyrische Sprache, die das "Besinnungslose" aufbreche, durch neue Laut- und Wortfügungen "die ursprüngliche Kraft wiederentdecken" lässt. Und in allem schwingen Zärtlichkeit und Menschlichkeit mit. Das macht die besondere Atmosphäre der Lesung aus, der sich unter anderen Heinz D. Heisl und Robert Renk - langjährige Weggefährten und treue Gäste in Hausach - hingeben.
So ist der Montagabend vor allem ein sinnliches Erlebnis. Zwischen Olivers Texten improvisieren Andreas Krennerich am Saxofon und Gerd Vierkötter am Schlagzeug zu den Zeilen. Ihre Musik entzieht sich dem herkömmlichen Begreifen - so wie auch die "kostbaren Intarsien", die Joachim Sartorius in Olivers Büchern findet. "Leuchten sie ein?" Vielleicht nicht auf Anhieb, es mag zunächst mühsam sein, sich einzufinden und einzuhören. "Dann gibt es aber reiche Belohnung."
(Meinrad Kempf, Schwarwälder Bote, 11.10.2006)
Hausach. "Das Buch geht jetzt seine eigenen Wege", schließt José F. A. Oliver seine Lesung in der Buchhandlung Streit. "Ich bin gespannt, wo es mich hinführt."
Damit ist viel gesagt: "unterschlupf", sein vierter Gedichtband im Suhrkamp Verlag, ist ein Reisebuch - in innere und äußere Welten, wie es Joachim Sartorius, Lyriker und Intendant der Berliner Festspiele, in seiner Einführung beschreibt. Andalusien, Ägypten, Marokko, diese Orte tauchen auf und wären doch nichts ohne die Wurzeln in Hausach. So ist Oliver im besten Sinn "subjektiv radikal". Er dringt tief unter die Oberfläche ein.
Beispielsweise, wenn José Oliver von seinem Ägyptenaufenthalt spricht: "Ich fühlte mich in Kairo nicht einen Augenblick lang fremd", berichtet er, weil die Straßen ihn an das Andalusien der 60er-Jahre erinnerten - und so finden beide Orte zueinander und verdichten sich. "Hautklang im Hören" schreibt der Lyriker über seine Eindrücke, die für den so offensichtlich erscheinen, der wie Oliver zu beobachten vermag. Joachim Sartorius findet daher für den Buchtitel "unterschlupf" eine passende Deutung: Es sei ein "schützender Raum", ein Buch, "in dem wir unsere Sinne messen und Antennen schärfen können". Das Besondere und Verbindende in seinem Werk sei Olivers lyrische Sprache, die das "Besinnungslose" aufbreche, durch neue Laut- und Wortfügungen "die ursprüngliche Kraft wiederentdecken" lässt. Und in allem schwingen Zärtlichkeit und Menschlichkeit mit. Das macht die besondere Atmosphäre der Lesung aus, der sich unter anderen Heinz D. Heisl und Robert Renk - langjährige Weggefährten und treue Gäste in Hausach - hingeben.
So ist der Montagabend vor allem ein sinnliches Erlebnis. Zwischen Olivers Texten improvisieren Andreas Krennerich am Saxofon und Gerd Vierkötter am Schlagzeug zu den Zeilen. Ihre Musik entzieht sich dem herkömmlichen Begreifen - so wie auch die "kostbaren Intarsien", die Joachim Sartorius in Olivers Büchern findet. "Leuchten sie ein?" Vielleicht nicht auf Anhieb, es mag zunächst mühsam sein, sich einzufinden und einzuhören. "Dann gibt es aber reiche Belohnung."
(Meinrad Kempf, Schwarwälder Bote, 11.10.2006)
hablemos - 22. Okt, 22:35