Offenburger Tageblatt / Mittelbadische Presse.
Claudia Ramsteiner
Wie aufdringlich erleben Sie Ihre Popularität?
José F. A. Oliver: „Populär“ ist wahrscheinlich nicht das adäquate Wort, um dem öffentlichen Leben eines Dichters in der heutigen Zeit näher zu kommen. Wenn Sie meine zunehmende Bekanntheit als Schriftsteller meinen, die scheue ich nicht. Sie lässt mich ja überleben und motiviert mich immer wieder zu neuen Taten.
Was haben die Leute an Ihnen auszusetzen?
Oliver: Das müssten Sie zunächst „die Leute“ fragen.
Was können Sie nicht ausstehen?
Oliver: Bisweilen mein nervenstrapazierendes oliversches Zeitverständnis der Uhr.
Wo würden Sie gerne leben?
Oliver: Ich lebe schon dort, wo ich gerne lebe: Hier in Hausach im Schwarzwald.
Was ist für Sie Stress?
Oliver: Ein Begriff, der leider inflationär verwendet wird und den ich für mich und meinen Alltag ganz bewusst nicht zulasse. Ich habe allenfalls viel oder zuviel Arbeit.
Wie bauen Sie Stress ab?
Oliver: Da ich das Gefühl und den Gedanken „Stress“ - soweit ich es beeinflussen kann - nicht an mich ziehe, bin ich davor gefeit, ihn abbauen zu müssen.
Was bringt Sie ins seelische Gleichgewicht?
Oliver: Die Zuneigung meiner Freunde und immer wieder die Gedichte Friederike Mayröckers.
Wie lösen Sie Konflikte?
Oliver: Da ich der Sprache traue, befürworte ich das Gespräch.
Glauben Sie an Gott und an ein Leben nach dem Tod?
Oliver: Ja. Das Evangelium ist für mich Ursprung und Ziel meiner Seinsvorstellung. Die Passion identifiziert den Menschen (auch in Sprache)...Allein schon die drei wesentlichen Sätze der letzten Stunden Jesu versinnbildlichen es: „Herr, laß diesen Kelch an mir vorübergehen.“. Dann „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ und „In Deine Hände empfehle ich meinen Geist!“. Aus der kreatürlichen Menschenangst in die gottverlassene Einsamkeit geworfen, um annehmen zu können, was Leben ist.
Wie oft waren Sie ernsthaft verliebt?
Oliver: Meiner Definition nach war ich nie ernsthaft verliebt. Eher maitriebig verschossen. Wiewohl ich einige wenigschöne Male ernsthaft geliebt habe...
Wozu können Sie am schwersten nein sagen?
Oliver: Wenn mich jemand um einen Text bittet, auch wenn ich keine Zeit habe.
Wem vertrauen Sie?
Oliver: Meiner Familie, meinen Freunden und mir.
Ihre schlimmste Enttäuschung?
Oliver: Der Blick hinter die eigenen Kulissen. Es ist schwer, Traum und Illusion voneinander zu unterscheiden. Man könnte in diesem Zusammenhang auch von den eigenen „Wahrlügen“ sprechen.
Ihr schönster Sieg?
Oliver: Jedes Gedicht.
Bestzeit über 100 m?
Oliver: Ich war während der Schulzeit jedes Mal froh, wenn ich die 100 m ohne größere Verletzungen überstanden hatte.
Reiz-Thema SRS: Haben Sie Angst?
Oliver: So wie ich vor jeder Krankheit Angst haben könnte, deren Ausgang ungewiß ist. Meine Angst ist nicht größer oder kleiner als die Furcht vor dem HIV-Virus oder einer Krebserkrankung.
Welcher Politiker liegt Ihnen?
Oliver: Im Augenblick kann ich Ihnen nur die Namen von Politikern nennen, die größtenteils nicht mehr leben. Prägend für meine Vorstellung von Politik waren u.a. die geduldige Entschlossenheit zur Demut als Maßstab historischer Versöhnung eines Willy Brandt. Die gesellschaftsphilosophische Weitsicht Gustav Heinemanns. Die souveräne Auffassung der zivilen Wohlfahrt und ihrer friedensbedeutenden Notwendigkeit eines Theodor Heuss, oder der benennende Mut eines Richard von Weizsäcker, der den Ohnmachtsbegriff der Schuld ins Privileg der Verantwortung befreite.
Wie denken Sie über die Wirtschaftskrise und die Depressionen der Bevölkerung?
Oliver: Die Menschen müssen als verantwortungsbewusste Partner in der Krise wahrgenommen werden. Man sollte sie die politischen Entscheidungen kreativer mitgestalten lassen, und sie nicht zum schuldzuweisenden Motiv der Krise erklären. Wie wär´s denn mit „runden Tischen“ auf allen Ebenen der Gesellschaft als Korrektiv der Politik?
Promille-Grenze 0,5?
Oliver: Verantwortung und Alkohol vertragen sich nicht.
In welche Talkshow würden Sie gehen?
Oliver: Zu Herrn Friedmann. Ich wäre gespannt darauf, ob ich dem Dauerunterbrecher der hiesigen Fernsehlandschaft rhethorisch gewachsen wäre.
Spekulieren Sie noch oder wieder mit Aktien?
Oliver: Ich werde spekuliert. Irgendwie ist man ja irgendwo immer am großen Spekulationskarusell beteiligt, sobald das Geld zirkuliert.
Was würden Sie gerne können, wenn Sie Zeit oder einfach Talent dazu hätten?
Oliver: Dann würde ich eine Schreiner-Lehre machen.
Die berühmten drei Wünsche?
Oliver: Die Gesundheit des Körpers, des Geistes und der Seele. Ich glaube, dann lässt sich jede Herausforderung annehmen.
Größter Erfolg?
Im Suhrkamp Verlag veröffentlicht zu werden.
Zeit zum...
Schlafen: wenn ich müde bin und ein Bett in der Nähe ist...
Fernsehen: Ich habe zur Zeit keinen. Weder das äußere noch die innere Gestalt überzeugen mich...
Zeitunglesen: Täglich die Süddeutsche Zeitung und hin und wieder die FAZ. Am Wochenende meistens DIE ZEIT. Beim unregelmäßig regelmäßigen Frühstück im Café Vetter und bei einer guten Butterbrezel in der Regel die heimische Presse.
Telefonieren: Wenn es denn sein muß, bin ich ein Viel- und Langtelefonierer.
Internet: Jeden Tag
Speise: Fleischküchle
Schauspieler: Marlene Dietrich
Urlaubsziel: Irgendwann wieder einmal nach Havanna...
Parfum: Jean-Paul Gaultier
Traumauto: Wrangler Jeep
TV-Sendung: Tatort
Kleidung: Die italienische Mode ist eine Augenweide..
Kneipe: Das Gasthaus „Zur Blume“ oder den „Löwen“, wenn ich Lust darauf habe, essen zu gehen.
Musik: Je nach Laune. Viel Flamenco und immer wieder das Cello-Spiel von Pablo Casals.
Erstes Gedicht: Mit 12 und auf alemannisch...“Wo d Buure ihre Matte maie...“
Erster Kuss: Ich glaube, das war mit 14. Ich hörte auf einer Waldlichtung Cat Stevens und der Mond schien auf ungeahnte Landschaften...
Erste Zigarette: Mit 17 und heimlich
Erstes Auto: Ein weißer VW-Bus als ich 26 war.
Erster Job: Mit 14 gab ich meinen ersten Spanisch-Kurs an der VHS.
Wie aufdringlich erleben Sie Ihre Popularität?
José F. A. Oliver: „Populär“ ist wahrscheinlich nicht das adäquate Wort, um dem öffentlichen Leben eines Dichters in der heutigen Zeit näher zu kommen. Wenn Sie meine zunehmende Bekanntheit als Schriftsteller meinen, die scheue ich nicht. Sie lässt mich ja überleben und motiviert mich immer wieder zu neuen Taten.
Was haben die Leute an Ihnen auszusetzen?
Oliver: Das müssten Sie zunächst „die Leute“ fragen.
Was können Sie nicht ausstehen?
Oliver: Bisweilen mein nervenstrapazierendes oliversches Zeitverständnis der Uhr.
Wo würden Sie gerne leben?
Oliver: Ich lebe schon dort, wo ich gerne lebe: Hier in Hausach im Schwarzwald.
Was ist für Sie Stress?
Oliver: Ein Begriff, der leider inflationär verwendet wird und den ich für mich und meinen Alltag ganz bewusst nicht zulasse. Ich habe allenfalls viel oder zuviel Arbeit.
Wie bauen Sie Stress ab?
Oliver: Da ich das Gefühl und den Gedanken „Stress“ - soweit ich es beeinflussen kann - nicht an mich ziehe, bin ich davor gefeit, ihn abbauen zu müssen.
Was bringt Sie ins seelische Gleichgewicht?
Oliver: Die Zuneigung meiner Freunde und immer wieder die Gedichte Friederike Mayröckers.
Wie lösen Sie Konflikte?
Oliver: Da ich der Sprache traue, befürworte ich das Gespräch.
Glauben Sie an Gott und an ein Leben nach dem Tod?
Oliver: Ja. Das Evangelium ist für mich Ursprung und Ziel meiner Seinsvorstellung. Die Passion identifiziert den Menschen (auch in Sprache)...Allein schon die drei wesentlichen Sätze der letzten Stunden Jesu versinnbildlichen es: „Herr, laß diesen Kelch an mir vorübergehen.“. Dann „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ und „In Deine Hände empfehle ich meinen Geist!“. Aus der kreatürlichen Menschenangst in die gottverlassene Einsamkeit geworfen, um annehmen zu können, was Leben ist.
Wie oft waren Sie ernsthaft verliebt?
Oliver: Meiner Definition nach war ich nie ernsthaft verliebt. Eher maitriebig verschossen. Wiewohl ich einige wenigschöne Male ernsthaft geliebt habe...
Wozu können Sie am schwersten nein sagen?
Oliver: Wenn mich jemand um einen Text bittet, auch wenn ich keine Zeit habe.
Wem vertrauen Sie?
Oliver: Meiner Familie, meinen Freunden und mir.
Ihre schlimmste Enttäuschung?
Oliver: Der Blick hinter die eigenen Kulissen. Es ist schwer, Traum und Illusion voneinander zu unterscheiden. Man könnte in diesem Zusammenhang auch von den eigenen „Wahrlügen“ sprechen.
Ihr schönster Sieg?
Oliver: Jedes Gedicht.
Bestzeit über 100 m?
Oliver: Ich war während der Schulzeit jedes Mal froh, wenn ich die 100 m ohne größere Verletzungen überstanden hatte.
Reiz-Thema SRS: Haben Sie Angst?
Oliver: So wie ich vor jeder Krankheit Angst haben könnte, deren Ausgang ungewiß ist. Meine Angst ist nicht größer oder kleiner als die Furcht vor dem HIV-Virus oder einer Krebserkrankung.
Welcher Politiker liegt Ihnen?
Oliver: Im Augenblick kann ich Ihnen nur die Namen von Politikern nennen, die größtenteils nicht mehr leben. Prägend für meine Vorstellung von Politik waren u.a. die geduldige Entschlossenheit zur Demut als Maßstab historischer Versöhnung eines Willy Brandt. Die gesellschaftsphilosophische Weitsicht Gustav Heinemanns. Die souveräne Auffassung der zivilen Wohlfahrt und ihrer friedensbedeutenden Notwendigkeit eines Theodor Heuss, oder der benennende Mut eines Richard von Weizsäcker, der den Ohnmachtsbegriff der Schuld ins Privileg der Verantwortung befreite.
Wie denken Sie über die Wirtschaftskrise und die Depressionen der Bevölkerung?
Oliver: Die Menschen müssen als verantwortungsbewusste Partner in der Krise wahrgenommen werden. Man sollte sie die politischen Entscheidungen kreativer mitgestalten lassen, und sie nicht zum schuldzuweisenden Motiv der Krise erklären. Wie wär´s denn mit „runden Tischen“ auf allen Ebenen der Gesellschaft als Korrektiv der Politik?
Promille-Grenze 0,5?
Oliver: Verantwortung und Alkohol vertragen sich nicht.
In welche Talkshow würden Sie gehen?
Oliver: Zu Herrn Friedmann. Ich wäre gespannt darauf, ob ich dem Dauerunterbrecher der hiesigen Fernsehlandschaft rhethorisch gewachsen wäre.
Spekulieren Sie noch oder wieder mit Aktien?
Oliver: Ich werde spekuliert. Irgendwie ist man ja irgendwo immer am großen Spekulationskarusell beteiligt, sobald das Geld zirkuliert.
Was würden Sie gerne können, wenn Sie Zeit oder einfach Talent dazu hätten?
Oliver: Dann würde ich eine Schreiner-Lehre machen.
Die berühmten drei Wünsche?
Oliver: Die Gesundheit des Körpers, des Geistes und der Seele. Ich glaube, dann lässt sich jede Herausforderung annehmen.
Größter Erfolg?
Im Suhrkamp Verlag veröffentlicht zu werden.
Zeit zum...
Schlafen: wenn ich müde bin und ein Bett in der Nähe ist...
Fernsehen: Ich habe zur Zeit keinen. Weder das äußere noch die innere Gestalt überzeugen mich...
Zeitunglesen: Täglich die Süddeutsche Zeitung und hin und wieder die FAZ. Am Wochenende meistens DIE ZEIT. Beim unregelmäßig regelmäßigen Frühstück im Café Vetter und bei einer guten Butterbrezel in der Regel die heimische Presse.
Telefonieren: Wenn es denn sein muß, bin ich ein Viel- und Langtelefonierer.
Internet: Jeden Tag
Speise: Fleischküchle
Schauspieler: Marlene Dietrich
Urlaubsziel: Irgendwann wieder einmal nach Havanna...
Parfum: Jean-Paul Gaultier
Traumauto: Wrangler Jeep
TV-Sendung: Tatort
Kleidung: Die italienische Mode ist eine Augenweide..
Kneipe: Das Gasthaus „Zur Blume“ oder den „Löwen“, wenn ich Lust darauf habe, essen zu gehen.
Musik: Je nach Laune. Viel Flamenco und immer wieder das Cello-Spiel von Pablo Casals.
Erstes Gedicht: Mit 12 und auf alemannisch...“Wo d Buure ihre Matte maie...“
Erster Kuss: Ich glaube, das war mit 14. Ich hörte auf einer Waldlichtung Cat Stevens und der Mond schien auf ungeahnte Landschaften...
Erste Zigarette: Mit 17 und heimlich
Erstes Auto: Ein weißer VW-Bus als ich 26 war.
Erster Job: Mit 14 gab ich meinen ersten Spanisch-Kurs an der VHS.
hablemos - 21. Sep, 10:30